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Peter Wawerzinek

MEIN SALZKAMMERGUT

Preview Cover | ISBN | Leseprobe | Critics

Synopsis

Mein Salzkammergut. Von Seefahrten und Seereisen ist das Ergebnis eines dreimonatigen Aufenthaltes Peter Wawerzineks im Salzkammergut, genauer gesagt in St. Wolfgang. Von Juli bis September 2007 beobachtete er Landschaften und Menschen. Das Buch ist kein Roman geworden, es ist aber auch kein literarischer Essay, kein wissenschaftlicher Extrait. Mein Salzkammergut ist eine Mischung aus persönlichen Notizen und genauen, detailreichen Studien.
Als Seeschreiber bereiste Peter Wawerzinek das Salzkammergut. Sein Weg führt bis in die entlegensten Winkel (Gosau) auf die höchsten Gipfel (Dachstein) und zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen (Mondsee Jedermann / Handkesymposium Gmunden). Vor allem seine Begegnungen mit Menschen zeichnen ein sehr genaues Bild von jenem Salzkammergut, das uns meist verborgen bleibt, weil weil es sich hinter hohen Hecken und schön gestrichenen Zäunen versteckt, sich den Blicken der neugierigen Touristen, die allüberall zu sein scheinen, entzieht. Das Buch gibt einen Einblick in die Geschichte des Salzkammerguts, wie sie dem Autor von den Menschen erzählt wurde, die er dort getroffen hat.

Cover

ISBN

2008 EDITION ART SCIENCE
ISBN 978-3-902157-29-4,
gebunden, 298 Seiten
Preis: EUR 25,-

Leseprobe

Badehütten

Tief und geheimnisvoll, oft fensterlos und kastanienbraun gestrichen, stehen dunkle Hütten am Wasser, weisen sich als Badehäuser und Unterstellmöglichkeit für Ruder-, Motor-, Segelboote aus. Wieder sitze ich auf einer der Uferbänke und gerate ich ins Träumen, wie viel zu oft in St. Wolfgang am Wolfgangsee. Plötzlich sehe ich die dunklen Hütten wie sie sich vom Ufer befreien und ungezwungen auf den See hinaustreiben. Sehe sie Wasserland gewinnen. In einem Anfall von Übermut sind sie ins Ausschwärmen geraten, treiben und verteilen sich über den gesamten See. Spielen Häuserkampf wie wir Kinder im Wasser der Ostsee als es lustig war, vor allem Kind zu sein. Jeweils zu zweit. Immer ein Kind auf des anderen Kindes Schultern haben wir miteinander gerungen, uns kämpfend im Wasser getummelt und legendär gewordene Reitergefechte geliefert. Alles dahin! Alles vorbei und ausgestanden.
Das Badehaus des Gasthofs Zimmerbräu ist "Nur für Hausgäste". Welcher Herkunft die liebend gern gesehenen Gäste sind, verrät der in bestem Englisch angefügte Zusatz Summer House Gasthofs Zimmerbräu Guests only. Die Tür einer sichtlich älteren Hütte, die nicht mit den jungen wilden Kinderhütten auf den See hinausgetrieben ist, trägt die Aufschrift Rudolfshöhe. Über der Türklinke sind zwei Kreise aufgepinselt. Die Kreise zentral mit je einem Punkt verziert. In ihrer Gesamtheit ergeben sie ein Doppel wohlgeformter Mädchenbusen und daß da oder dort in unserer menschlichen Welt nichts über den Anblick einer Frauenbrust hinausreicht, schreibe ich in mein Extrabuch hinein und bestimme das Refugium aus Dunkelhütten, Wasser und Stegen, Kai, Mauern, Brettern, Bauten, Balkonen, Gittern, Fenstern, Löchern, Kieselsteinen und Wegen als mein tägliches, Naherholungsgebiet. Sooft es meine Zeit erlaubt, bin ich am See, um zu pausieren, um dabei zu sein, wenn Wolken aufziehen am Himmel, die den See wischen, gutes und weniger gutes Wetter verkünden. Ich verweile vor einer im Bau befindlichen Badehütte. Schmucklos und freizügig als Rohbau ausgeführt, mit nichts als Seitenwänden und einem Dach darüber. Durch die fehlenden Türen und Fronten gibt der Blick, wie von der Tourismusbehörde beabsichtigt, einen eckigen Baulückenausguck über den Wolfgangsee frei als Bühne für ein Theatersstück. Vor mir, in See-Segmente geteilt, liegt der See und erhebt sich als sein mehrfacher Bildausschnitt zum Naturaltar und Kunstwerk. Ein Wandgemälde mit See und Berg mit großem Rahmen. Ein Schauerlebnis der besonderen Art. Die Gedanken beginnen zu schwanken, alles wird alles leicht und weihevoll. Möglichst früh am Tag, möglichst bevor die Leute die ersten Bootsmotoren anwerfen, tauche ich auf, um nichts zu unternehmen, als den See, wo sich die Möglichkeit dazu ergibt, durch Spalten und unverhoffte Gänge, Rundungen, Fluchten, Türen, Schlitze und sonstige Aussparungen zu betrachten, die erhaben genug sind, sich als Teil im offenen Fenster oder als launisches Spiegelbild im Sonnenbrillenglas bestaunen zu lassen. Gerade wenn sich der Ort im Wasser als Oberflächenreflex der Seewellen spiegelt, gleicht St. Wolfgang Venedig. Nebelschwaden, die an Zuckerwatte denken lassen, sind zwischen die Berge gelegt, bilden Hügelketten, die mich an Frauenkörper erinnern und deren Wölbungen.

Critics

kuriose Stilleben

... Peter Wawerzinek bedient sich eines unverwechselbaren Stils, den er paßgenau seinem jeweiligem literarischen Projekt "verordnet". Selten gab sich ein Autor einer derartigen Bildgenauigkeit hin. Seine Sprache erfindet für jeden Inhalt aberwitzigste Entsprechungen. Kein Buch ist wie das andere. Wawerzineks stilistische Bandbreite reicht von poetisch-verdichteten Sprachkompositionen über fast detailverlorene Umschreibungen, deren Absurdität erst kontextuell verständlich werden. Je mehr man liest, desto opulenter erscheint einem das Salzkammergut, es offenbart sich als überzogen ausstaffierte Kuriosität, die von absonderlichen Einwohnern gehegt und gepflegt wird. Ein fast pervers anmutender Charme kennzeichnet diese Region, deren Beschaffenheit trotz der persönlichen Eindrücke des Autors authentisch vermittelt wird. 

su alois immekeppel , salzburger korrespondenz, 2008