BOOKS

Last Releases
Coming Soon
Overview
Sekundär
Archive

DER AUTOR

Synopsis
Contact
Show

webdesign

Support

Peter Wawerzinek

CAFÉ KOMPLOTT - EINE GLÜCKLICHE BEGEBENHEIT

Cover | ISBN | Leseprobe | Critics | Hörspiel

Synopsis

Frühjahr 1999. Wie jedes Jahr treffen sich fünf Personen im irischen Connemara, vier Männer, eine Frau: Paul, Architekt standesgemäß schwarz gekleidet, doch von allen Bauherren gemieden; Heinrich, Filmemacher aber doch eher Gelgenheitskameramann mit Selbstmordgedanken; Joachim, bärtig, evangelisch, ehemaliger Bürgerrechtler und eloquent bis zum Abwinken; Ed, der sich für einen begabten Autor hält, aber als Kostümbildner Lücken auf kleinen Bühnen stopft und Vernessa, seit Jahren ihrer Schauspielerkarriere nachlaufend aber als Gadrobiere beschäftigt. Was diese Fünf stammtischartig vereint ist das phantasiereiche Erfinden von Gründen, warum das Leben und vor allem die Kunst so hartnäckig an ihnen vorbeilaufen; sie wittern Verfolgung überall. Das jährliche Ritual wird jäh durchbrochen, als Heinrich, eben aus Amerika eingeflogen, die Lüge beim Namen nennt: Gescheitert seien sie alle und dem Leben etwas schuldig den großen Coup, in dem sich ihre unzureichenden Talente und unerfüllten Sehnsüchte bündeln sollten... (p.w.)

Cover

ISBN

1998 Transit Verlag, Berlin
ISBN 3-88747-130-X,
gebunden, 140 Seiten
Preis: EUR 14,32

Leseprobe

Eine Gedenkminute den jung Altgewordenen, den altgewordenen Jungbleibern, den gestrig Ewigen und zuspätkommenden Permanenten, für die wenigen, die noch ein bißchen warten und sehen wollen, wer länger durchhält DIE DA OBEN ODER wir. Für alle die genügend Vorräte haben, reichlich Geld besitzen GEHT SPARSAM DAMIT UM, die an ihrer Bunkerbar Krisen überstehen, die ein Brett vorm Kopf haben, das nichts zu wünschen übrig lässt. Und denen eine Gedenkminute, die einfach nicht das Zeug dazu haben, die es niemals soweit bringen werden; die schon mal etwas versucht haben; die aber nie ankamen; denen die immer irgendwie was falsch machen; die nicht wissen was an den anderen so interessant sein soll; die bestimmt keine Vorurteile haben; die gerecht bleiben wollen; die sich an den Kopf greifen - sich an der Nase herumgeführt vorkommen; die wohl was nicht in die Wiege gelegt bekommen haben. Für alle, die auf dem Teppich bleiben und für alle die ohne Grund harmlose Passanten anbrüllen: UND DU MACHST DA MIT, DAS HÄTTE ICH NIE VON DIR GEDACHT VON DIR NICHT UND NICHT VON DIR DU BIST MIR EIN SCHÖNER BÜRGER FREUNDCHEN

Denen eine Gedenkminute, die noch nicht wissen, wohin sie mal gehen werden, entweder aufs Land oder in die Welt oder als Weltmensch in ein Dorf oder als Dorftrottel in die Welt, die auch nur ein Dorf ist und denen, die sich keinesfalls vom Fleck rühren. Gedacht sei der Alten, die vorm Lebensmittelladen immer noch Blumen verkauft und VERGISSMEINNICHT ausruft und unvergessen sein soll. Und denen eine Gedenkminute, die Telefonhörer abschneiden, selbst wenn der Kasten tot ist, zu Hause vor dem Spiegel stehen und ihre Ausweisnummer wählen, die Telefonhörer abschneiden selbst wenn der Kasten tot ist, zu Hause vor dem Spiegel stehen und ihre Ausweisnummer wählen. Leute, die sorgfältig lesen und staunen, wenn sie ihre Namen plötzlich unter ?gestorben" finden und sich fragen, wer es da mal gut mit ihnen gemeint und derer sei gedacht, denen alles, aber auch alles piepegal ist. Für alle Mülltonnenabgraser, die mitnehmen was sie bekommen können und für alle, die noch nie etwas mitbekommen haben; denen eine Gedenkminute, die an keiner Schaufensterscheibe vorbeikommen, ohne zu überprüfen ob ihr Blick noch genügend konsumfeindlich ist, die in der Badewanne sitzen und über Tod und Leben aber vor allem über den Tod in der Badewanne nachdenken, heißes Wasser nachlaufen lassen, seltsame Gefühle bekommen, später einmal über ihr Leben und das der anderen schreiben werden und erst einmal ihr Lieblingsspiel beginnen - ihr Lieblindsspiel,Schaum schlagen. Denen die noch einen Koffer in Berlin haben, Berlin oder sonst wo, denen die sich aufs nächste Wochenendkreuzworträtsel freuen, die mit System spielen und mit System verlieren, die gerne Bomben schmeißen würden oder davon reden, etwas zu unternehmen, etwas delikates, was dem Volk unter die Haut geht, es aufrüttelt, etwas wie Hundeverbrennen oder faule Eier essen, die Schwarz tragen und schwarz sehen weil alles immer schlimmer wird, die eines Tages auf Schwarzfahrer umsteigen und denen eine Gedenkminute, die nicht geboren sind, die genauso handeln würden, unter Umständen viel besser; gedacht sei auch derer die Sehnsucht haben, Heimweh, Vaterlandsliebe, Mutterkomplex, Bruderhass, unverbrüchliche Nächstenliebe, weltoffene Solidaritätswallungen, internationale Angst vor dem dritten Weltkrieg - alle denen eine Gedenkminute, die noch Nerv zeigen und eine blutende Wunde, ein pochendes Herz.

Critics

. . . am Abgrund entlang

Viel süffiger mutet dagegen die Ironie von Peter Wawerzinek an, der sie spärlicher, aber hochdosiert anzuwenden pflegt. Etwa mit einem schnauzbärtigen Wiedersänger mit der Rachegitarre, der für seine Manie gefürchtet ist, in erhabensten Momenten auch unaufgefordert Balladen aus dem Hals zu kratzen, wie er in dem Roman Cafe Komplott (Transit, 140 S., 28 DM) auftaucht: Eine Abrechnung mit deutschen Rebellen-Mythen, mit tausenderlei Ein- und Ausfällen erzählt, in einer Sprache, deren Präzision Seltenheitswert hat

Jens Dirksen, NRZ vom 25.06.1998

 

Café Komplott

(Ursendung am 11.11.08)

Ein Polizist nimmt vier Personen in Schutzhaft, drei Männer, eine Frau: "Was diese Vier stammtischartig vereint, ist das Erfinden phantastischer Geschichten" (Peter Wawerzinek). Ein großer Coup wird geplant, in den sich unser wandlauschender Ordnungshüter mit nicht weniger Phantasie und Erfindungsgeist hineindenkt. Bald schon lässt sich nicht mehr unterscheiden, was Phantasie und was Realität ist.

Bearbeitung und Regie: Wolfgang Rindfleisch
Komposition: Frank Merfort
Mitwirkende

Heinrich: Milan Peschel
Paul: Jürgen Holtz
Joachim: Bruno Cathomas
Vernessa: Margit Bendokat
Ein Polizist: Peter Wawerzinek

Produktion: Deutschlandfunk 2008
Länge: ca. 49'